Fleischer-Geschichten

Rock’n Roll am Kutter: Fleischermeister Raphael Buschmann

In Twistringen im niedersächsischen Landkreis Diepholz, durch einen verkehrsberuhigten Bereich, vorbei an typisch norddeutschen Backsteingebäuden, findet man die Wurstfabrikation Walter Buschmann. Für Ortsfremde ist das kleine, aber feine Geschäft auf den ersten Blick leicht zu übersehen, versprüht beim zweiten Hinsehen jedoch umso mehr nostalgischen Charme. In goldenen Lettern ziert der Name „W. Buschmann“ die Fensterfront des Fachgeschäfts, das auf seine ganz eigene Art modern ist – stünde der Laden in Berlin würden sich hier die Hipster tummeln. „Die Leute kommen wegen unserer Wurst, und nicht wegen der Inneneinrichtung“, sagt Raphael Buschmann lächelnd.

Raphael Buschmann fährt Harley, hört Rockmusik und besucht in seiner Freizeit gerne Festivals. Vor allem aber ist er Fleischermeister aus Leidenschaft. Mit dem jungen Mann steht bereits die vierte Generation der Wurstfabrikation in den Startlöchern. Dafür bringt der 25-jährige eine Menge Erfahrung mit: Verkürzte Ausbildung auf 1,5 Jahre, Erstplatzierter beim Bundesleistungswettbewerb in Bremen, Meistertitel in Frankfurt, Fleischsommelier in Augsburg und seit 2018 Mitglied der Nationalmannschaft des Fleischerhandwerks. Zukünftig ist die Weiterbildung zum Wurst- und Schinkensommelier, ein Masterstudium an der Fleischerschule Landshut mit dem Abschluss Master of Business Administration sowie die Übernahme des elterlichen Betriebs geplant. Raphael Buschmann ist stets ambitioniert, was seinen Beruf im Fleischerhandwerk angeht – Kreativität und Zukunftsorientierung seien dabei der Schlüssel, sagt er.


Kreativität am Kutter

Berufe im Fleischerhandwerk zeichnen sich durch Kreativität aus. So auch bei Raphael Buschmann. Die Wurstproduktion ist seine Lieblingstätigkeit in seinem Beruf: „Wär ja schlecht wenn’s nicht so wär“ sagt er und lacht. Insbesondere hier kann der junge Fleischermeister seine Kreativität ausleben – und das vor allem beim Kuttern. „Der Kutter ist die Maschine, mit der man aus vielen Teilkomponenten, die für sich allein wenig aussagen, eine superleckere Wurst macht“, erklärt er begeistert. Und so kommt es, dass die heimische Küche nach Feierabend immer mal wieder zum „Versuchslabor“ wird. In kleinen Chargen probiert Raphael Buschmann dann verschiedene Kreationen aus: „Ich teste dann, ob eine Wurstidee überhaupt umsetzbar ist und ob sie schmecken würde. Wenn es passt, geht’s in die Produktion.“ Aber nicht alles was bei diesen Experimenten entsteht schmeckt auch. So zum Beispiel eine Geflügelbratwurst mit Kokos und Mango: „Als Tellergericht klingt die Kombi ja erstmal super, aber als Wurst ging das leider gar nicht“, so Buschmann. Die meisten Kreationen werden hingegen zu richtigen Verkaufsschlagern. So zum Beispiel die „Norditerane“ – eine Bratwurst mit Spinat, Tomate und Parmesan. Oder eine Bisonwurst vom Grill, die statt des missglückten Experiments (eine Mortadella mit Schokolade), zum Jubiläum der Wurstfabrikation W. Buschmann angeboten wurde. Bei all der Innovationsfreude bleibt es auf dem Teller des jungen Mannes dann aber doch eher klassisch: „Bei mir und meinen Freunden hat es Tradition, dass wir bei einer gemeinsamen Feier auch immer eine Packung unserer Krakauer dabeihaben. Die wird dann im Laufe des Abends gesnackt“ antwortet er, nach seinem Lieblingsprodukt gefragt.


Engagement für die Zukunft

Raphael Buschmann (rechts) mit Teamkollegen Manuel Kirchhoff (links)

Die Leidenschaft für seinen Beruf möchte Raphael auch anderen vermitteln. Deshalb engagiert er sich seit 2018 in der Nationalmannschaft des Fleischerhandwerks. Damals bestand das Team noch aus 10 Mitgliedern – fast wären es nur neun gewesen: „Das Wetter hätte mir die Mitgliedschaft fast vermasselt. Das Casting fand in Leipzig statt und ich war grad zum Meisterkurs in Frankfurt. An dem Tag hat es dann so doll geschneit, dass der Zugverkehr lahmgelegt wurde. Ich habe mich zusammen mit einem Kollegen in ein Auto gesetzt und durch den Schnee gekämpft, weil wir unbedingt dabei sein wollten“, erinnert sich Raphael. Der Einsatz hat sich gelohnt: Heute, zwei Jahre später, ist das Team gewachsen, setzt sich mit 27 Mitgliedern für verschiedene Anliegen des Fleischerhandwerks ein, nimmt an internationalen Wettbewerben teil und ist Ansprechpartner für den beruflichen Nachwuchs. Durch die Zusammenarbeit mit den anderen jungen Kollegen möchte Raphael Buschmann das moderne, nachhaltige und regionale Bild seines Berufs vermitteln und das Ansehen von Fleischermeisterinnen, Fleischermeistern, Fachverkäuferinnen und Fachverkäufern fördern.

Eng damit verbunden ist auch das Anliegen der Gruppe, Fleisch als Lebensmittel wieder richtig schätzen zu lernen. „Es ist einfach etwas anderes, ob man in einem Geschäft von Fachpersonal beraten wird und dann weiß, wie man etwas richtig zubereitet. Fleischer und Fachverkäufer nehmen sich Zeit. Es ist der vorletzte Teil der Wertschätzung des Lebensmittels Fleisch“, erklärt der Fachmann. Raphael ist von den Werten der Nationalmannschaft überzeugt und tritt mit seinen Kolleginnen und Kollegen dafür ein. Denn wenn Verbraucher auch in Zukunft Fleisch essen möchten, dabei aber mehr auf Tierwohl und Transparenz achten, werde das Fleischerhandwerk immer wichtiger: „Einfach, weil es die beste Quelle für nachhaltiges, regional und unter guten Bedingungen produziertes Fleisch ist. Wir achten darauf, den Kunden die beste Qualität zu liefen.“


Wurstfabrikation Walter Buschmann

Im Jahr 1918 wurde die Wurstfabrikation Walter Buschmann gegründet. Heute, nach über 100 Jahren, ist das Familienunternehmen über die Stadt Twistringen hinaus für seine Produkte bekannt. Andree Buschmann leitet die Fleischerei in dritter Generation. Seine Frau Angelika Buschmann führt das Ladengeschäft und Sohn Raphael ist für die Kundebetreuung und Produktion zuständig. Zum Unternehmen gehören das Ladengeschäft im Ort, ein Online-Shop sowie regionale Kühltruhen im Lebensmitteleinzelhandel der Region zwischen Lohne, Vechta und Bremen. Wichtiges Standbein ist außerdem die Belieferung verschiedener Schausteller und Imbisse.

„Wir liefern regional in einem Umkreis von 50 km und beziehen aus diesem auch unsere Rohstoffe“, erklärt Raphael Buschmann.  Die Wurstfabrikation Walter Buschmann stellt bis auf zwei Produkte (Geflügelaufschnitt) alles selbst her. Unter den 60 verschiedenen Sorten Wurst befinden sich regionale Klassiker wie Knipp, Beutelwurst und Pinkel sowie ein vielseitiges Bratwurstsortiment. Manche Produkte gibt es in doppelter Ausführung – einmal in konventioneller und einmal in Bio-Qualität. „Das Fleisch für unsere Produkte für die Bio-Produkte von einem 3 km entfernten Hof“, so Buschmann. Bei allen Produkten steht der gänzliche Verzicht auf Zusatzstoffe wie z.B. Phosphat oder Glutamat sowie die regionale Herkunft und Wertschätzung des Fleisches im Vordergrund.


Einfach gut genießen – Dein Fleischerhandwerk

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