Wer durch Siegen-Eiserfeld fährt, entdeckt schnell den Stammsitz von Hennche – einem Familienunternehmen, das seit über 100 Jahren Fleisch- und Wurstwaren herstellt. Hinter der unscheinbaren Fassade verbirgt sich ein Betrieb, der sich treu geblieben ist – und sich doch stetig verändert. Hier trifft handwerkliche Erfahrung auf moderne Ansprüche. Klaus Bräuer führt den Betrieb mit einem klaren Bewusstsein für Qualität, Tierwohl und Nachhaltigkeit.
Familienbetrieb in vierter Generation
Klaus Bräuer führt die 1910 von seinen Urgroßeltern gegründete Metzgerei Hennche mit ruhiger Hand und Weitblick. Er kennt den Betrieb von Grund auf, war schon als Jugendlicher in der Produktion tätig. Heute ist er Geschäftsführer der Hennche Fleisch- und Wurstwaren GmbH und trägt die Verantwortung für ein Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitenden, neun Filialen, drei Wurstautomaten und einem gewachsenen Netzwerk an Großhandelskunden. Dabei geht es ihm nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg – entscheidend sind für ihn Nachhaltigkeit, Qualität und der Respekt vor dem hochwertigem Lebensmittel Fleisch.
Neubeginn nach dem Brand
Dass der Betrieb immer weiter wächst, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn im Oktober 2014 wurde er auf eine harte Probe gestellt: Ein Brand zerstörte neben dem Verwaltungsgebäude auch die gesamte Produktionshalle. „Zwei Stunden lang haben wir einfach nur ins Feuer geschaut“, erinnert sich Klaus Bräuer. Doch auf den Schock folgte ein bemerkenswerter Kraftakt. Schon im darauffolgenden Jahr entstand ein moderner Neubau – effizienter, nachhaltiger, klarer strukturiert. Die Unterstützung durch regionale Partner war dabei ebenso entscheidend wie der Zusammenhalt im Team. Für Klaus Bräuer war es ein Wendepunkt, der das Unternehmen gestärkt hat.

Nachhaltigkeit als Teil der Verantwortung
Nachhaltiges Wirtschaften beginnt für Klaus Bräuer bei der Tierhaltung – endet dort aber nicht. Aktiv setzt er sich dafür ein, CO2 zu sparen. So verfügt die Hennche Fleisch- und Wurstwaren GmbH seit 2022 über ein eigenes Blockheizkraftwerk. Seit 2023 ist außerdem eine Photovoltaikanlage mit 142KWp Leistung und Batteriespeichern in Betrieb, die an sonnigen Tagen einen Großteil des Energiebedarfes decken kann. Auch im Produktionsprozess achtet das Unternehmen auf Ressourcenschonung und kurze Wege.
In Punkto Verpackung setzt Hennche seit einigen Jahren auf das REBOWL-Pfandsystem: eine wiederverwendbare Schale für den Mittagstisch oder das Außer-Haus-Geschäft. Die Schalen können zurückgegeben und neu verwendet werden, wodurch Einwegplastik eingespart und Ressourcen geschont werden. Um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, kooperiert Hennche seit etwa einem Jahr mit Too Good To Go: „Kurz vor Ladenschluss bieten wir Tüten unseres Mittagstisches und übrig gebliebenen Lebensmitteln an. Diese können dann zu einem vergünstigten Preis erworben werden“, erklärt Max Bräuer.
Regionale Herkunft und kurze Wege
Ein wesentliches Element von Hennches Unternehmenspolitik ist der Bezug des Fleisches aus der Region. So stammt das Schweinefleisch vom Hof der Familie Korte im Sauerland, wo artgerechte Haltung mit viel Auslauf, Stroheinstreu und gentechnikfreier Fütterung zum Standard gehören. Das Wohl ihrer Kikok-Hähnchen steht bei den Brüdern Borgmeier aus Delbrück im Vordergrund. Die schonende Aufzucht umfasst neben langsamem Wachstum und ausreichend Platz auch die Fütterung mit Mais (ebenfalls gentechnikfrei), die dem Fleisch den typischen gelben Farbton gibt. Verantwortungsbewusste Tieraufzucht findet auch auf dem Geflügelhof Bartels statt, von dem Klaus Bräuer sogenannte Phina-Puten bezieht. Der eigene Zerlegebetrieb und die Wurst- und Schinkenproduktion in Eiserfeld sorgen schließlich dafür, dass Verarbeitung und Transport in einem regionalen Kreislauf bleiben.
Auszeichnungen für handwerkliche Qualität
Was die Kundinnen und Kunden an der Theke schätzen, bestätigen auch unabhängige Prüfstellen: Bei den Internationalen Qualitätswettbewerben auf der IFFA 2025 wurden gleich fünf Produkte mit Gold – darunter die berühmte Krönchenbratwurst – und eines mit Silber prämiert. Beim nordrhein-westfälischen Wettbewerb „Meisterstücke“ wurde Hennche 2024 sogar gleich mit elf Goldmedaillen ausgezeichnet, unter anderem für die „Langen Jungs“, eine Rohwurst mit Chili-Note, und die Currywurst im Glas. Auch in den Jahren zuvor überzeugten Produkte wie Fleischkäse oder Fleischwurst regelmäßig bei sensorischen Tests. Die beliebten westfälische Mettenden schneiden in Wettbewerben regelmäßig hervorragend ab. Diese Auszeichnungen sind für Klaus Bräuer kein Selbstzweck – sondern ein Zeichen dafür, dass sich Sorgfalt und Erfahrung lohnen.

Die fünfte Generation übernimmt Verantwortung
Seit Januar 2022 ist auch Max Bräuer Teil des Unternehmens. Der Sohn von Klaus Bräuer hat direkt nach seiner Ausbildung in Reutlingen und Tübingen den Meisterkurs an der Fleischer Fachschule Heyne in Weiterstadt absolviert und bringt nun als Fleischermeister frische Perspektiven in den Betrieb. Seit drei Jahren ist er zudem als Fleischsommelier Botschafter des guten Geschmacks. Als Filialbetreuer kümmert er sich um Neueröffnungen, Umbauten und den Kontakt zu den Teams vor Ort. Des Weiteren sind ihm regelmäßige Weiterbildungsmaßnahmen für die Beschäftigten sowie der digitale Wandel in allen Bereichen ein großes Anliegen.
Fotos: Hennche Fleisch- und Wurstwaren GmbH

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